Zukünftig werde ich mich in meinem Blog auch dem  Bergedorfer Gehölz, dem kleinen Bruder des Sachsenwaldes, widmen. Das war im wahrsten Sinne des Wortes auch naheliegend, schließlich liegt dieser Stadtwald direkt vor meiner Haustür, und jeden Morgen durchquere ich ihn auf meinem morgendlichen Weg zum Bäcker nach Wentorf. Irgendwann fragte ich mich, welche Geschichten dieses kleine Wäldchen erzählen kann und ob ich hier als Fotograf eine ähnliche Motivfülle wie im sehr viel größeren Sachsenwald finde.

Was die fotografische Motivfülle des Bergedorfer Gehölzes angeht, bin ich nach ersten Sichtungen sehr zuversichtlich. Die kleinteilige Hügellandschaft mit ihrem alten Baumbestand bietet viele reizvolle Perspektiven. Der Charakter des Wäldchens ist zwar eher Park als Wald, aber ich bin trotzdem sicher, dort das eine oder andere feine Bild zu finden.

Wer also zukünftig einen Schrat mit schwerem Rucksack und großem Stativ trifft, weiß Bescheid…

Ich glaube auch, dass der Stadtwald viel Stoff für interessante Geschichten birgt, Wälder sind wie Zeitkapseln. Das fängt schon mal mit der Frage an, wie dieses Wäldchen zu Hamburg gekommen ist. So ist das Bergedorfer Gehölz eine Liegenschaft der Stadt, obwohl es zur Hälfte auf Wentorfer Gebiet liegt. In diesem Zusammenhang habe ich auch erfahren, dass Hamburg neben dem Bergedorfer Gehölz noch weitere Waldgebiete außerhalb seiner Stadtgrenzen besitzt. Wie ist sind diese Besitzverhältnisse historisch entstanden? Waren es ein profane Zukäufe, Erbschaften oder stammt das noch aus den Zeiten, in denen es viel Hin und Her zwischen Hamburg, Lübeck, Dänemark, Sachsen und Lauenburg gab? Für Tipps wäre ich dankbar.

Ein besonderes Thema ist in diesem Zusammenhang die Frage, inwieweit sich die Waldpolitik des Stadtstaates Hamburgs von der eines Agrarlandes wie Schleswig-Holstein oder Niedersachsen unterscheidet. Ein erster Blick in die Hamburger „Globalrichtlinie Wald“ hat mich bereits sehr neugierig gemacht. Dort lese ich, dass der Hamburger Landeswald Vorbildfunktion haben soll. Insbesondere die Erholungs- und Schutzfunktionen, einschließlich Natur- und Biotopschutz, sollen hier vorbildhaft erfüllt werden. Gilt dieser Anspruch nur für die Wälder in den Stadtgrenzen, oder darüber hinaus? Da die Landeswaldgesetze von Schleswig-Holstein und Niedersachsen ausdrücklich auch die Nutzfunktion der Wälder hervorheben, interessiert mich die Frage, ob und wie Hamburg seine waldpolitischen Ziele dort umsetzt, wo anderes Waldrecht gilt.
Und last, but not least, will ich auch der Frage nachgehen, ob sich die Lebens- und Denkweisen einer urbanen Gesellschaft auf die Gestaltung und Nutzung der städtischen Wälder auswirken. In Hamburg haben Stadtmenschen die politische Macht über die Gestaltung ihrer Wälder. Und in einem Bundesland mit dem zweitniedrigsten Waldanteil (7,1%) ist man naturgemäß kritischer, auch wenn es um vergleichsweise kleine Flächen geht. Der Streit um die 67 ha großen Vollhöfner Weiden zeigt die Zielkonflikte in einer dicht bevölkerten Wirtschaftsmetropole exemplarisch auf.

Diesen und anderen Fragen will ich in den nächsten Monaten nachgehen und meine Erkenntnisse und Meinungen auf diesem Blog teilen. Und Fotografien aus Bergedorfs Bergen wird es natürlich auch geben.

Wer mir bei diesem Projekt mit Tipps, bemerkenswerten Geschichten oder besonderen Motiven helfen möchte, kann mir gerne eine Mail an mail@sachsenwaldblog.de schicken.