Diese ca. 16 km lange Wanderung durch den Sachsenwald gehört zu meinen absoluten Favoriten, weil sie so ziemlich alles zeigt, was der Sachsenwald zu bieten hat: Herrliche Forstalleen, gewundene Waldwege und wunderschöne Blicke auf die Schwarze Au, die Kammerbek und die Süsterbek. Ein paar Gelegenheiten zur Reflektion der deutschen Geschichte gibt es auch. Und wer diese Tour am frühen Morgen geht, hat auch gute Chancen auf Wildbegegnungen. Wanderherz, was willst du mehr?

 

Vorbemerkungen

Wir haben eine Rundwanderung vor uns, das heißt, wir können unsere Tour an jedem Punkt der Strecke beginnen und kommen dorthin wieder zurück. Friedrichsruh und Pulverborn bieten sich als Einstiegspunkte besonders an. Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel können auch in Aumühle starten, dann kommen allerdings noch einmal 4 km auf die ohnehin lange Tour hinzu. Der Startpunkt Pulverborn bietet den Vorteil, dass Friedrichsruh auf halber Strecke liegt, wo es die Möglichkeit einer Einkehr im Forsthaus Friedrichsruh oder im Garten der Schmetterlinge gibt (Öffnungszeiten beachten!). Die Runde ist übrigens für jede Jahreszeit geeignet. Ich habe diesen Artikel daher auch mit Bildern aller Jahreszeiten illustriert.

Eine Passage dieser Wanderung führt durch schwarzwildreiches Gebiet. Wer Angst vor Wildschweinen hat, sollte diese Wanderung am frühen Morgen und am Abend nicht gehen. An das Leinengebot für Hunde sei hier noch einmal besonders erinnert.

Ansonsten gilt für diese Wanderung wie für fast alle Wanderungen im Sachsenwald: Keine Bänke, keine Wegweiser, keine Einkehr, je nach Witterung aufgewühlte und matschige Wegpassagen. Das bedeutet, Brotzeit, Sitzmatte, Karte und festes Schuhwerk sollten für ein unbeschwertes Wandererlebnis dabei sein. Ansonsten siehe meine Tipps zur Navigation im Sachsenwald.

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Von Friedrichsruh in den Kupferberg

Wir beginnen unsere Tour am Bismarck-Museum am Bahnhof Friedrichsruh, wo es auch eine begrenzte Anzahl an Parkplätzen gibt. Von dort geht es am Forsthaus Friedrichsruh vorbei auf dem Ödendorfer Weg in den Wald hinein.

An der Schranke vorbei verläuft der erste Teil unserer Wanderung auf dem offiziellen Wanderweg Nr. 4, was allerdings kaum eine Hilfe ist, weil selbst die offiziellen Wege im Sachsenwald nur sehr sparsam ausgeschildert sind. Man kann übrigens ein Stück des Weges auch auf dem Grenzwall neben der Forststraße gehen. Ca. 250 m hinter der Schranke am Forsthaus biegen wir auf einen lauschigen Fußweg rechts in den Wald ab. Nach weiteren ca. 850 m treffen wir auf eine Forststraße, in die wir nach rechts abbiegen. Wir befinden uns jetzt auf dem Fürstenweg, der uns ca. 4 km vom Forstort Kupferberg zur Schwarzen Riede führt.

Das Wildgatter im Sachsenwald

Der Fürstenweg gehörte früher zum umzäunten Wildgatter des Sachsenwaldes. Zusammen mit dem weiter südlich gelegenen Saugatter wurde dieser Bereich des Sachsenwaldes erst 2020 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Saugatter wurde bereits 1848 vom Dänenkönig Friedrich VII errichtet. Später zäunte der „Hirschvater des Sachsenwaldes“, Bernhard von Goldammer, auch den Bannwald um den Kammerbekshorst ein, um die umliegenden Forsten vor Rotwildverbiss zu schützen. So war über 100 Jahre ein großer Teil des Sachsenwaldes gesperrt. Der Öffnung beider Bereiche im November 2020 war ein gesetzliches Verbot der Gatterjagd vorausgegangen , was dann zu einem zwanzigjährigen Streit zwischen den Eigentümern des Sachsenwaldes und dem Land Schleswig-Holstein führte, der unter lebhaftem Interesse der lokalen Medien bis zum Bundesverfassungsgericht eskaliert war. Am Ende mussten die Tore geöffnet und die Zäune abgerissen werden. Die ganze Geschichte mit ihren unterschiedlichen Sichtweisen wird noch in einem gesonderten Artikel zu erzählen sein.

Ob damit wirklich das Ende der Zäune im Sachsenwald besiegelt ist, wird die Zukunft zeigen. Ich bin skeptisch. Der ganze Sachsenwald ist ein europäisches Vogelschutzgebiet und weite Teile rund um die Schwarze Au sind besonders geschützte FFH-Gebiete. Bislang konnte sich die Natur im geschützten Wildgatter fast ungestört entfalten. Die Erfahrung im Naturschutzgebiet Billetal zeigt jedoch, dass das rücksichtslose Verhalten nur weniger Besucher bereits ausreicht, um die Natur nachhaltig zu stören. Und der Förster berichtet, dass die amtlichen Verbotsschilder am Seeadlerschutzgebiet regelmäßig ignoriert werden. Es ist daher absehbar, dass die nächsten Zäune von Naturschützern errichtet werden, um die Horste seltener Großvögel vor gedankenlosen Waldbesuchern zu schützen.

Durch den Kupferberg

Genießen wir also die Zeit, die schöne Landschaft um den Fürstenweg ohne störende Zäune zu genießen und wandern zunächst durch den Kupferberg. Seinen Namen verdankt dieser Forstort der unweit gelegenen Kupfermühle, die um 1620 an der Schwarzen Au gebaut wurde. Man mag heute kaum glauben, dass die Gegend um Aumühle ursprünglich ein Industriegebiet war. Die Schwarze Au wurde an vier Stellen gestaut, um Kupferhammer, Eisenhammer, Sägewerk und Kornmühle zu betreiben. Heute sind noch der Stangenteich, der Schlossteich und der Mühlenteich übriggeblieben, der Kupferteich ist abgeflossen, nachdem das Stauwehr gebrochen war.

Wer Wildlife fotografieren will, sollte schon mal das Teleobjektiv auf die Kamera schrauben. Ich bevorzuge auf dieser Strecke ein 100-400 mm Zoomobjektiv, das so gerade noch auf Wanderungen tragbar ist. Meine Tipps für Wanderer, die im Sachsenwald auch mal Wild fotografieren wollen, habe ich in diesem Artikel zusammengefasst.

An der Kreuzung von Fürstenweg und Baumweg steht der sog. Fürstenstein mit der Inschrift „1. December 1880“. Otto von Bismarck hatte hier bei einem Alleinausritt einen glimpflich verlaufenen Reitunfall. Nachdem sein Pferd ihn abgeworfen hatte, musste er zu Fuß zurück nach Friedrichsruh humpeln. Zum Gedenken an sein Glück im Unglück ließ Bismarck diesen Stein setzen. Hier verlassen wir den Kupferberg und folgen dem Fürstenweg weiter geradeaus, der jetzt zwischen den Forstorten Strange und Kammerbekshorst verläuft.

Wildlife zwischen Kammerbekshorst und Schwarzer Riede

Der Fürstenweg führt uns weiter zwischen den Forstorten Strange auf der linken und Kammerbekshorst auf der rechten Seite. Wir befinden uns jetzt in wildreicher Gegend. Wer sich naturverträglich verhält, hat hier gute Chancen, auf Schwarz- und Rotwild zu treffen, ohne dabei in unnötigen Streit mit Förstern und Jägern zu kommen. Also, langsam gehen, Ruhe halten und die Augen in allen Richtungen offenhalten. Natürlich gehört ein Quäntchen Glück dazu.

An dieser Stelle möchte ich noch einen Appell loswerden: Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Wildfotografie den Jagdinstinkt wecken kann. Bitte bleiben Sie auch im Fotofieber fair und respektieren Sie die Regeln des Vogelschutzgebietes, in dem wir uns befinden. Wer Elternvögel vom Horst aufschreckt, bereitet den weniger scheuen Rabenkrähen ein Festmahl. Auch wenn der Schrei der Kraniche noch so lockt: das Aufsuchen, Fotografieren und Filmen der Kranichnester ist aus gutem Grund streng verboten. Kraniche sind sehr scheu und verlassen sofort das Gelege. Die Wildschweine werden Ihnen dankbar sein… Das besonders gekennzeichnete Seeadlerschutzgebiet darf weder auf Wegen noch abseits der Wege betreten werden. Bitte, respektieren Sie diese Einschränkung, der Sachsenwald ist auch so noch groß genug für uns. Was die Mutterliebe der Bachen angeht, empfehle ich auch nicht, diese auf die Probe zu stellen. Es ist übrigens sinnlos, sein Glück abseits der Wege zu suchen, dort ist man viel zu laut unterwegs und schlägt das Wild schon von weitem in die Flucht. Die Bilder mögen auch Hundebesitzer motivieren, ihren Liebling an der Leine zu führen. Nicht jede führende Bache flüchtet vor einem Hund, der gerade seinen Jagdtrieb wiederentdeckt.

Mit diesen Gedanken an den Naturschutz wandern wir durch wildreichen Wald ca. eine Stunde auf dem Fürstenweg nach Osten, bis wir an eine Kreuzung mit fünf Einmündungen kommen. Dort biegen wir 90° rechts ab (nicht den gesperrten Weg nehmen! Ca. 500 m später überqueren wir die Kammerbek, die in einem Kanalrohr unter der Straße verläuft. Die Schwarze Riede liegt zur Linken, der Kammerbekshorst zur Rechten. Die Kammerbek entwässert die moorigen Gebiete des Sachsenwaldes jenseits der B404 und mündet im Forstort Knopshörn in der Schwarze Au. Wer jetzt die Augen nach links offen hält, wird mit einer besonderen landschaftlichen Perle belohnt.

Ein kleiner Exkurs zur Kartografie im Sachsenwald

Unser Weg verläuft jetzt zwischen den Forstorten Benekenriede und Tiefensohl nach Süden in den Forstort Knopshörn. Ich verwende in meinem Blog die historischen Namen der Forstorte im Sachsenwald, hier z.B. Benekenriede, Tiefensohl und Knopshörn. Das ist jedoch nicht immer unproblematisch, wie dieses Beispiel zeigt:

Der Sachsenwald ist ein gemeindefreies Gebiet. Die Forstleute und Jäger nutzen zur Ortsangabe die Nummern der Jagen, das sind recht kleinteilige Gebiete, die meist durch die Wege abgegrenzt sind. Daher interessiert sich seitens der Eigentümer auch kaum jemand für die Genauigkeit und Richtigkeit der offiziellen Karte. Ohnehin ist im Arbeitsalltag der Forstverwaltung noch immer die inzwischen nicht mehr lieferbare Sonderkarte Sachsenwald das Maß der Dinge, die das Landesamtes für Vermessungswesen zuletzt im Jahr 1977 herausgegeben hatte. Ich ich nutze noch diese Karte, auf der die Autobahn Hamburg-Berlin noch im Planungsstadium ist.

Da ich online auch den Digitalen Atlas Nord benutze, der vom Landesamt für Vermessungstechnik herausgegeben wird, ist mir aufgefallen, dass dort die Forstorte Schwarze Riede und Benekenriede vertauscht wurden.

Nachdem ich das Vermessungsamt auf diese Unstimmigkeit hingewiesen hatte, wurde der Sachverhalt noch einmal recherchiert. Dabei hat das Landesamt herausgefunden, dass die Forstorte zwischen 1877 und 1929 schon einmal gewandert sind (siehe Bilder). Hat das Landesvermessungsamt jetzt einen fast 100 Jahre alter Fehler korrigiert? Ich hatte dazu auch den Förster des Forstgutbezirks Sachsenwald befragt, der die Meinung vertritt, dass die Schwarze Riede im Norden und die Benekenriede im Süden ist, also so, wie die letzte Sachsenwaldkarte von 1977 es zeigt. Nun will das Landesvermessungsamt in 2022 wieder diese Zuordnung vornehmen.

Dieses Beispiel zeigt, dass historische Ortsbezeichnungen nicht immer fehlerfrei sein müssen.

Durch den Knopshörn

Unsere Wanderung verläuft jetzt durch den Knopshörn, der uns aus dem ehemaligen Wildgatter hinausführt.

Wir überqueren die Schwarze Au und halten uns an der Weggabelung hinter der Querung links. Ein wenig später mündet ein Forstweg von links ein, der in den Hülshorst führt, den ich bereits in einem anderen Artikel vorgestellt habe. Wir lassen diesen Weg jedoch liegen und halten uns weiter geradeaus, wo wir bald an der Unterführung die Bahnstrecke Hamburg-Berlin queren und in den Stangenteichhorst kommen.

Durch den Stangenteichhorst zur Königsallee

Ca. 300 m hinter der Bahnunterführung biegen wir nach rechts in den Waldweg ab, der durch den Stangenteichshorst verläuft. Der Weg führt am Hummer-Haus und Goldammers Grab (Artikel zu Goldammers Grab hier) vorbei und stößt nach 2,2 km auf den Baumweg.

Am Baumweg biegen wir links ab und kommen nach kurzer Zeit am Forsthaus Wildpark auf die Königsallee. Die Wohnplätze im Sachsenwald sind übrigens Enklaven der Gemeinde Aumühle, d.h., die befriedeten Grundstücke sind kein gemeindefreies Gebiet wie der restliche Sachsenwald. Heute gibt es im Sachsenwald insgesamt sechs Enklaven: Am Riesenbett, Kupfermühle, Saupark, Stangenteich (Hummer-Haus), Wildpark und Witzhaver Viert.

Wir biegen am Forsthaus rechts in die Königsallee ab.

Durch Buschhege und Brahmhorst

Nachdem wir am Forsthaus Wildpark auf die Königsallee abgebogen sind, gehen wir ca. 800 m weiter, bis die Königsallee den Waldbach Süsterbek überquert.

Die Königsallee ist eine schöne alte Waldstraße, die ein wunderbares Wandererlebnis bietet. Ihren Namen hat sie vom dänischen König Friedrich VII. Nachdem das Schwarzwild im Sachsenwald fast vollständig ausgerottet war, hat der König 1846 mit einer mitgebrachten Schwarzwildrotte den Saupark begründet, der nach mehreren Erweiterungen bis 2020 als Saugatter Bestand hatte.

Nachdem wir auf der Königsallee die Süsterbek überquert haben, biegen nach rechts in den Waldweg ein, der uns durch die Forstorte Buschhege und Brahmhorst zurück nach Friedrichsruh führt. Wir befinden uns jetzt übrigens auf dem offiziellen Wanderweg Nr. 5. Dieser gewundene Weg führt uns zunächst an der Süsterbek entlang durch reizvollen Douglasien- und Buchenwald. Wir überqueren nach ca. 2 km die L208 und kommen so am Klettergarten in Friedrichsruh aus dem Wald.

Friedrichsruh und Otto von Bismarck

Nach zwei Kilometern queren wir die L208 zwischen Aumühle und Kuddewörde und kommen in den Auberg, wo der Weg uns zum Hohlweg führt, der vom Holzhof Friedrichsruh am Rande der Pferdekoppel zur Bahntrasse hinunterführt.

Bismarck ist hier unübersehbar. Eigentlich ist ganz Friedrichsruh eine einzige Gedenkstätte an den ehemaligen Reichskanzler, der vor genau 150 Jahren die maßgebliche Kraft bei der Gründung des Deutschen Reiches war. In den drei Einigungskriegen gegen Dänemark, Österreich und Frankreich formte er unter preußischer Führung aus den deutschen Kleinstaaten eine Nation. Die weitere Geschichte vom Deutschen Reich 1871 bis zum wiedervereinigten Deutschland des Jahres 2021 in der Europäischen Union war dann ein langer und schmerzvoller Weg voller Katastrophen und Wiederaufbauten. Und wer die politische Landschaft und die geostrategischen Herausforderungen unserer Tage betrachtet, weiß, dass dieser Weg noch kein Ende gefunden hat und wohl auch nie finden wird.

Auch heute, über 120 Jahre nach seinem Tod, polarisiert Bismarck mehr denn je. Wer sich seine eigene Meinung über den Reichsgründer bilden will, kann sich bei der bundeseigenen Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh informieren. Ich empfehle die aktuelle Sonderausstellung 1870/71. Reichsgründung in Versailles, die bis zum 14. November 2021 im Bismarck-Museum zu sehen ist. Die Wanderungen im Sachsenwald bieten viel Zeit und Gelegenheit, die dort gewonnenen Informationen zu unserer wechselvollen Geschichte und der Person Otto von Bismarcks zu reflektieren. Genau darin sehe ich den Sinn von Denkmälern. Keine Projektionsfläche, sondern guter Anlass, mal selbst zu denken. Die persönliche Auseinandersetzung mit der Geschichte hilft mir jedenfalls, unsere heutige Zeit besser zu verstehen.

Mit diesen Gedanken geht die Wanderung jetzt ihrem Ende entgegen. Der Weg von der Hirschgruppe am Schneckenberg führt durch die Bahnunterführung am Bismarck-Museum vorbei zum Forsthaus Friedrichsruh, dem Ausgangspunkt unserer Tour. Wer die Wanderung am Samstag- oder Sonntagvormittag gemacht hat, kommt jetzt gerade zur rechten Zeit, sich am Foodtruck des Forsthauses zu stärken. Eine Alternative zur Einkehr ist das Café Vanessa am Garten der Schmetterlinge hinter dem Schloss in Friedrichsruh, das täglich außer montags ab 10 Uhr geöffnet hat.