Genius Loci

Forstorte

Eine Fotoausstellung von Harald Lemke

Exposé für Aussteller

„Genius loci – Forstorte“ geht der Frage nach, wie wir den Wald in seinen Forstorten erleben, wo der Mensch der Natur begegnet und wo wir in eine Hier-und-Jetzt-Beziehung zum Wald treten. Meine Fotografien halten genau diese Momente fest – Begegnungen, die einzigartig waren und sich so nie wiederholen lassen. Die Erkenntnis, dass jeder Moment einzigartig ist, lässt uns über das Wesen des Ortes und seine Wirkung auf uns nachdenken.

Die Bilder werden als Giclée-Druck ohne Glas im Format 60 x 40 cm auf Hahnemühle FineArt Baryta präsentiert, welches die Waldstimmung meiner Fotografien am eindrucksvollsten transportieren kann.
Der Untertitel „Forstorte“ kann mit der jeweiligen Kuratorin oder dem Kurator abgestimmt werden, um dem Anlass und dem Ort der Ausstellung Rechnung zu tragen oder einen bestimmten Aspekt des Themas herauszustellen.

Das Thema der Ausstellung ist hochaktuell: Unsere Wälder stehen durch den Klimawandel unter großem Druck und müssen sich verändern. In den Diskussionen geht es dabei meist nur um Schlagworte: Nutzwald oder Schutzwald? Holzgewinnung, Artenschutz oder Klimaschutz?

Was dabei oft verloren geht, ist der Blick auf das, was der Wald emotional für uns Menschen bedeutet. Statt echter Natur bleiben uns häufig nur noch parkähnliche Anlagen mit gut gemeinter Besucherlenkung auf eingezäunten Wegen.

Die Ausstellung „Genius loci – Forstorte“ zeigt, was wir dabei verlieren: Den Wald als Raum für ursprüngliche Naturerfahrung. Wenn wir ihn betreten, umgibt er uns, nimmt uns auf und berührt all unsere Sinne. Er bietet uns innere Einkehr und kleine Weltfluchten, um sich von den vielfältigen Zumutungen unserer Zeit zu erholen. Und stärkt unsere innere Widerstandskraft – etwas, das wir dringend brauchen, denn Anlässe zu Widerspruch und Haltung gibt es mehr als genug.

Die meisten Fotografien meiner Ausstellung entspringen einem Gefühl von Erhabenheit. Doch darf ein aufgeklärter Mensch überhaupt noch Erhabenheit fühlen? Ich finde, unbedingt: Erhabenheit erfüllt uns mit Ehrgefühl und Achtung. Beides ist uns beim Kriegszug gegen die Natur abhanden gekommen. Die Menschheit hat sich über die Natur erhoben und bekommt gerade die Rechnung präsentiert. Es ist allerhöchste Zeit, sich zu versöhnen.

Wir müssen wieder zulassen, dass die Natur uns berührt, damit wir Erhabenheit erleben können.

Der Philosoph Jean-François Lyotard sagte einmal sinngemäß: Wer Erhabenheit erlebt, hat die Schuld, dieses Erlebnis darzustellen. Mit den Waldfotografien meiner Ausstellung „Genius loci – Forstorte“ trage ich diese Schuld ab.

Meine Bilder sollen emotional berühren, unsere Sehnsucht zur Natur bedienen. Damit weisen sie Parallelen zur Landschaftsmalerei auf.

Allerdings besteht zwischen Malerei und Fotografie ein wesentlicher Unterschied: Der Maler ist nicht an die Realität gebunden; sein Bild kann vollständig aus Vorstellung und Inspiration entstehen. Als Fotograf dagegen arbeite ich mit dem Vorgefundenen. Ich muss versuchen, der mitunter nüchternen oder sogar trostlosen Wirklichkeit ein kleines Idyll abzuringen, denn das Objektiv meiner Kamera kann zunächst nur das zeigen, was tatsächlich da ist.

Aber stimmt das wirklich?

In Wahrheit ist jede Fotografie hochgradig subjektiv.

Als Fotograf entscheide ich, was im Bild erscheint – und was nicht. Ich wähle den Ort, den Blickwinkel, den Ausschnitt, die Jahreszeit und den Zeitpunkt der Aufnahme. Ich entscheide, ob ein Bild bei Sonne, Regen oder Nebel entsteht, ob ich hartes Mittagslicht oder das sanfte Streiflicht des Morgens oder Abends nutze.

So liegt es an mir, ob ich ein Waldstück als monotone Fichtenschonung zeige, eine achtlos weggeworfene Getränkedose thematisiere oder meinen Blick auf einen stillen Weiher in seiner Mitte richte.

Bin ich damit der alleinige Herr des Geschehens? Könnte ich jederzeit in den Wald gehen und mit einer gelungenen Aufnahme zurückkehren? Schön wär’s. Dann hätte ich meine Kreativität unter Kontrolle.

Die Realität sieht anders aus. Von vielen Streifzügen durch den Sachsenwald kehre ich ohne brauchbares Bild zurück. Orte, an denen mir früher starke Aufnahmen gelungen sind, erscheinen mir plötzlich leer. Es entsteht keine Verbindung, keine Assoziation, keine Inspiration. Und ohne sie kann kein Bild entstehen, das mein Walderlebnis auch ohne Worte vermittelt und andere emotional berührt.

Damit bin ich bei der zentralen Frage meiner Waldfotografie: Was macht einen beliebigen Platz im Wald zu einem inspirierenden Ort?

Meine persönliche Antwort darauf habe ich im Begriff des „Ortes“ selbst gefunden. Der Philosoph Martin Heidegger schrieb dazu:

„Ursprünglich bedeutet der Name „Ort“ die Spitze des Speers. In ihr läuft alles zusammen. Der Ort versammelt zu sich ins Höchste und Äußerste. Das Versammelnde durchdringt und durchwest alles. Der Ort, das Versammelnde, holt zu sich ein, verwahrt das Eingeholte, aber nicht wie eine abschließende Kapsel, sondern so, daß er das Versammelte durchscheint und durchläutet und dadurch erst in sein Wesen entläßt.“

Es lohnt sich, Heideggers Satz sorgfältig zu lesen, um ihn zu verstehen, denn er bietet eine Definition des Ortes, die uns als Anwesende einschließt und die dem Ort ein Wesen, eine Identität verleiht.

Heidegger beschreibt den Ort nicht als bloße Lokation, sondern als das Zusammenkommen von allem, was anwesend ist. In meinen Bildern versammeln sich Boden, Wasser, Bäume, Licht und Wetter zur Szene, in die ich als Fotograf trete.

Und im Sinne Heideggers gehört dann auch der Fotograf selbst zum Ort: sein Dasein, seine Stimmung, sein Blick, seine Bildentscheidung. Ohne ihn als Zeugen – und ohne die Fotografie als Zeugnis – gäbe es diesen Ort nicht.

So wird der Fotograf selbst ein Teil seines Bildes.

Doch wer, wenn nicht der Fotograf, versammelt zum Ort, wer ist das Subjekt? Ist es einfacher Zufall oder die Fügung höherer Mächte? Ich weiß es nicht. Aber bis ich es weiß, halte ich mich an den Genius loci, den Geist des Ortes. Er triggert meine Assoziationen und schenkt mir die Inspriration. Er lässt mich in der unendlichem Fülle des Waldes mein Motiv erkennen, und er lädt mich ein, Teil seines Ortes zu werden, um ein Bild davon zu machen.

Diesem freundlichen Genius loci habe ich meine Ausstellung gewidmet.

Genius loci

Die Forstorte des Sachsenwaldes

21. Juni – 19. Juli 2026

Vernissage 21. Juni 2026

im Historischen Bahnhof der
Otto-von-Bismarck-Stiftung

Die Premiere der Ausstellung findet im Rahmen des Kultursommers am Kanal in der Otto-von-Bismarck-Stiftung d.ö.R. in Friedrichsruh statt. Der Ausstellungsort liegt im Herzen des Sachsenwaldes, dort wo alle Fotografien in einem Zeitraum von über fünf Jahren aufgenommen wurden. Der Untertitel „Forstorte im Sachsenwald“ stellt heraus, dass die Ausstellung auch ein sehr persönliches Porträt dieses historisch bedeutenden Waldes ist.

Danksagung

Die Bilder dieser Ausstellung sind im Sachsenwald entstanden, den ich seit über fünf Jahren fotografisch erschließe.

Ich danke den Förstern des Sachsenwaldes für ihre stets freundliche Duldung und Unterstützung meiner Arbeit.

Die Ausstellung liefert …

• 15 – 35 Fotografien 420 x 594 mm
• Giclée-Druck auf Hahnemühle Fine Art Baryta
• Rahmen 50 x 70 cm
• Präsentiert im Passepartout ohne Glas
• Ausstellungsplakate
• Ausstellungsflyer
• Ausstellungskatalog 21×21 cm
• A3 und A2 Wandkalender 2025-2027
• Nach Absprache: Vortrag
• Nach Absprache: Workshop